Die-Gen eration-Z

Christian Scholz Gedanken und Materialien zur Generation Z



 

Freizeitgestaltung von Gen-Z

von pc am 23. Juni 2014

Dieser Eintrag stammt von Matthias Hofmann und Pascal Müller

 

Begriffsbestimmungen

Der Begriff der Freizeit wurde in der Vormoderne oftmals mit „Nichtstun“ und „Müßiggang“ gleichgesetzt(1). Mit der Zeit wandelte sich die Bedeutung des Begriffes in der Moderne hin zu einem eigenständigen Lebensbereich, der überwiegend von Arbeit abgegrenzt ist (2). In der soziologischen Forschung wurde Freizeit jedoch lange als von der Arbeit abhängige Variable angesehen (3). Heute wird die Bedeutung von Freizeit immer wichtiger und komplexer, so dass es schwer ist eine allgemeingültige Definition zu erstellen (4). Heyde definierte sie als „Zeitspanne, in der der Mensch nicht Arbeit verrichtet“ (5), was vielen Soziologen zu ungenau war. Galbraith beschreibt Freizeit als Zeit in der man konsumiert und seine monetären Einkünfte ausgibt (6). Eine Definition von Freizeit im Kontext der Freizeitgestaltung von Jugendlichen ist „im engeren Sinne die Lebenszeit, die, je nach individueller Lebenslage, in Abgrenzung zu Schul-, Ausbildungs- oder Berufszeit subjektiv als die Zeit empfunden wird, die es dem Jugendlichen erlaubt, frei und selbstbestimmt zu handeln und sie somit individuell zu gestalten“(2).

In Expertenkreisen herrscht keine Einigkeit darüber, ab welchem Geburtsjahr die Generation Z beginnt (7). Sehr häufig wird davon ausgegangen, dass alle Menschen, die nach dem Jahr 1995 geboren wurden der Generation Z angehören (8). Oftmals werden diese auch als „Digital Natives“ beschrieben (9), da sie mit den digitalen Medien aufgewachsen sind und deren Bedienung und Nutzung bereits in frühem Kinderalter erlernen.

Zusammengesetzt aus den beiden Begriffen Freizeit und Generation Z beschreibt also „die Freizeitgestaltung der Generation Z“ jene Phasen, über die die Generation, die zwischen dem Jahr 1995 und heute zur Welt gekommen ist, frei verfügen kann und in denen sie frei von jedweder Verpflichtung ist.

Historische Entwicklung des Begriffs „Freizeit“

In der römischen und griechischen Antike hatte lediglich die Oberschicht das Privileg der sogenannten „Muße“. Diese bedeutete, dass die unteren Schichten für diese Eliten Arbeit verrichteten, so dass diese sich kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Dingen sowie der Bildung widmen konnten (12). Die Bildungselite präsentierte öffentlich, dass sie vermögend ist und ein Leben ohne körperliche Arbeit leisten konnte. Stattdessen widmete sie sich angesehenen Aktivitäten wie dem Regieren, der Kriegsführung, religiösen Aufgaben und Sport. Im Mittelalter bestimmte vor allem die katholische Kirche die Verwendung freier Zeit indem sie den Grundsatz „arbeite und bete“ predigte und so großen Einfluss auf die Freizeitgestaltung nahm.

Durch die Renaissance, die Reformation und die anschließende Industrialisierung verloren die Kirche und die Machthaber zunehmend an Bedeutung und Einfluss. Die Arbeit wurde zu einem eigenständigen Lebenszweck. Die freie Zeit wurde damit verbracht die eigene Arbeitskraft wiederherzustellen (13). Mit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert veränderte sich dies und neben der Arbeit entstand mit der Freizeit ein zweiter Lebensbereich, wobei die Freizeit fast ausschließlich der Erholung diente (14). Noch in der Nachkriegszeit der 1950er und 60er Jahre diente die Freizeit hauptsächlich der Erholung von der Arbeit, wobei das Berufsleben zunehmend Konkurrenz durch die Bereiche Familie und Freizeit bekam. Diese Entwicklungen ermöglichen erweiterte Chancen für die individuelle Lebensgestaltung. Es wird aber auch gleichzeitig vom Mensch erwartet, sein Leben selbst in die Hand nimmt, seinen Alltag aktiv organisiert und lernt, sich an die ständig ändernden Bedingungen aller Lebensbereiche anzupassen. (2)

Mit zunehmender Freizeit, steigendem Lebensstandard und neuer Technik kam es zu einem Bedeutungswechsel von Arbeit und Freizeit: Die Freizeit diente nunmehr nicht mehr nur Erholung, sondern auch Konsum und Vergnügen wurden während der Freizeit zunehmend wichtig. So wurde in den 1960er Jahren ein Großteil der Freizeit vor dem damals neuen Massenmedium Fernsehen verbracht. Besonders in den 1970er Jahren spielte der Konsum eine wichtige Rolle in der Freizeitgestaltung. Die Freizeit wurde damit verbracht neue Konsumgüter zu kaufen und Wohlstand zu demonstrieren. In den 1980er Jahren wollten die Menschen während ihrer Freizeit zunehmend etwas erleben, so dass großen Wert auf Aktivitäten außerhalb des eigenen Zuhauses gelegt wurde. Freizeit wurde aber auch als Zeit angesehen, in der es möglich war einen individuellen Lebensstil zu pflegen. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für die zunehmende Diversifikation des Freizeitverhaltens gelegt. Heute kann jedes Individuum selbst entscheiden, wie es über seine freie Zeit verfügt. Bei der Freizeitgestaltung gibt es daher mittlerweile unzählige Ausprägungsformen (15).

Konkrete Freizeitaktivitäten der Generation Z

Grundsätzlich verschwimmen bei Generation Z Arbeitszeit und Freizeit fließend miteinander, denn Generation Z lehnt Arbeit zwar nur am Wochenende ab, lässt unterschiedliche Freizeitaktivitäten aber durchaus in ihre Arbeit mit einfließen, da sie als multitaskingfähiger „Digital Native“ zu jeder Zeit in der Lage ist, zu arbeiten und gleichzeitig virtuelle Freizeitaktivitäten zu pflegen (16). Die so genannten „Digital Natives“ treffen sich in ihrer arbeitsfreien Zeit nicht wie die Vorgängergenerationen in Vereinen oder an Stammtischen zur Pflege von Kameradschaft und Brauchtum, sondern feiern vielmehr digitale bzw. virtuelle Netzwerkparties, finden sich in gemeinsamen Gruppen der unterschiedlichen Web 2.0 bzw. Social Media- Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram, Youtube, LinkedIn oder Pinterest zusammen (17).

Dass die Generation Z mit den digitalen Medien aufgewachsen ist hat auch Auswirkungen auf ihr Freizeitverhalten. 31 Prozent aller US-amerikanischen Kinder im Alter zwischen 6 und 12 wünschten sich zu Weihnachten 2010 ein Ipad, gefolgt von dem Wunsch nach einem Computer und einem IPad Touch bei jeweils 29 Prozent der Kinder. Bei einer von Millward Brown weltweit ausgeführten Umfrage mit mehreren Tausend Kindern zwischen 8 und 12 Jahren gaben 50 Prozent dieser Zielgruppe an, dass sie täglich online sind. Davon interagieren 25 Prozent täglich mit Kontakten in anderen Ländern (18).

Sie kommunizieren weltweit mit ihren virtuellen Freunden, statt sich zu einem Bier in der Kneipe zu verabreden. Der virtuelle Raum ersetzt die rauchige Kneipentheke. Echtes TV lehnt die Generation Z ebenso wie das Aufsuchen einer Videothek als unsinniges Trash-TV ab, denn heutzutage sind schließlich alle interessanten und relevanten Informationen jederzeit über Smartphone, Laptop oder noch innovativere Produkte der Firma Apple erreichbar (19). Ebenso verabredet sich Generation Z nicht mehr zum gemeinsamen Discobesuch und findet es zudem langweilig, stur „rumzuhängen“, zu „chillen“ oder sich sinnlos zu betrinken. Freizeitdrogen wie Alkohol, Marihuana und Tabak treten im Gegensatz zu den Vorgängergenerationen völlig in den Hintergrund, weil Generation Z nach Anerkennung durch sinnstiftende Tätigkeiten strebt und öffentliche Veranstaltungen wie Kinobesuche, Konzerte oder auch Diskothekenbesuche sind schließlich dadurch uninteressant geworden, dass Musik und Filme zu jeder Tages- und Nachtzeit über digitale Medien konsumiert werden können und man sich zusätzlich den Eintritt für solche Kulturveranstaltungen spart, indem man als sein eigener Herr sämtliche zur Freizeitgestaltung interessanten Informationen und Daten aus der digitalen Welt bezieht (20). Zur Maximierung der angestrebten Lebenslust verreisen Vertreter der Generation Z aber durchaus gerne luxuriös und teuer zu den exotischsten Orten der Welt, genießen ein Eis oder ein Stück Kuchen im Internetcafé um die Ecke oder verabreden sich virtuell zu einer am Abend stattfindenden Grillparty. Internetspiele wie virtuelles Golf oder Onlineschach werden der klassischen Mitgliedschaft in einem Sportverein vorgezogen (21).

Darüber hinaus möchte Generation Z sich nicht auch noch in der Freizeit mit Lernstress konfrontiert sehen. Körperliche Anstrengung, wie sie etwa bei gewissen Freizeitaktivitäten wie Wandern, Joggen, Radfahren oder Walken vorausgesetzt wird, ist Generation Z zu anstrengend. Viel eher verreist man als klassischer Vertreter dieser Generation ans Mittelmeer, um einen Facebookfreund zu treffen oder optimiert seine Lebenslust durch entsprechende Wellnessangebote. Sämtliche Freizeitaktivitäten werden natürlich ständig getwittert, geliked oder via Facebook oder in sonstigen Bloggs veröffentlicht (22). Sofern die Aussicht auf Anerkennung besteht und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewährleistet ist, organisiert Generation Z auch eigenständig sinnstiftende Freizeitprojekte, um für das gesellschaftliche Gemeinwohl gewinnbringend Dinge auf den Weg zu bringen (23).

Einzelnachweise

(1) Prahl, H.-W.: Soziologie der Freizeit, Paderborn u. a. 2002

(2) Erbeldinger, P.: Dissertation „Freizeithandeln Jugendlicher – Motive und Bedeutungen – Eine empirische Untersuchung zu Freizeitmotiven Jugendlicher“, Trier, 2003

(3) Reinhold, G.: Soziologie-Lexikon, 2000, R. Oldenbourgh Verlag, 4. Auflage S 276-278

(4) Braun, S.: Die „wachsende Freizeit“ in der industriellen Gesellschaft, in wwi-Mitteilungen der Gewerkschaften 1956 und 1957. Toffler, A. 1970, S. 232

(5) Schmitz-Scherzer, R.: Sozialpsychologie der Freizeit, Stuttgart 1974, S.138

(6) Galbraith, J.K.: Die moderne Industriegesellschaft. München, Zürich 1968 S. 402 f.

(7) Horovitz, B.: „After Gen X, Millennials, what should next generation be?“ in der USA Today, erschienen am 5.4.2012 und erneuert am 24.11.2012

(8) Scholz, C.: Generation Z – „Willkommen in der Arbeitswelt“ in DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.1.2012

(9) Grail Research Analysis: Consumers of Tomorrow – Insights and Observations about Generation Z, November 2011

(10) Nielsen: Kids to Santa: We Want an iPad for Christmas, Oktober 2010

(11) Durchgeführt von Millward Brown bei mehreren Tausend Kindern in mehr als 70 Städten in 15 Ländern aus Europa, Asien, den USA und Südamerika, entnommen aus (9), S. 8

(12) Vester, H. G.: Zeitalter der Freizeit – Eine soziologische Bestandsaufnahme, Darmstadt, 1988

(13) Mäder, U.: Frei-Zeit. Fantasie und Realität, Zürich 1990, S.14 ff, entnommen aus (2), S. 17

(14) Voß, G.G.: Der Strukturwandel der Arbeitswelt und die alltägliche Lebensführung, In: Jurczyk, K.; Rerrich, M.S. (Hrsg.): Die Arbeit des Alltags: Beiträge zu einer Soziologie der alltäglichen Lebensführung. Freiburg i.Br. 1993, S. 70

(15) Stille, B.: Freizeithttp://relilex.de/Freizeit/ Zugriffsdatum: 18.06. 2014

(16) Lehky, A.: Jugend 2013: Generation Z – Die ganz Jungen kommenhttp://karrierenews.diepresse.com/home/karrieretrends/employerbranding/1424164/Jugend-2013_Generation-Z-Die-ganz-Jungen-kommen,  Zugriffsdatum: 18.06. 2014

(17) Rieder, P.: Generation Z Definition … oder: Generation Y war gestern – es lauert die Generation Z!, http://www.hrweb.at/2014/02/generation-z-definition/, Zugriffsdatum: 18.06. 2014, 11:51 Uhr

(18) Lob-Magazin.de: Jetzt kommt die Generation Z, www.lob-magazin.de/magazin/beruf/753-jetzt-kommt-die-generation-z.html, Zugriffsdatum: 18.06. 2014, 11:32 Uhr

(19) SMI: Digital Natives, Millenials, Generation Y, Generation Z – Studien, www.socialmedia-institute.com/digital-natives-millenials-generationy-generation-z-studien/, Zugriffsdatum: 18.06.2014

(20) Riederle, P.: Das Kommunikationsverhalten der Generation Y, www.youtube.com/watch?v=zmDrfwg7G3U, 25.01.2012, Zugriffsdatum: 18.06.2014

(21) Riederle, P.: Wer wir sind und was wir wollen, www.youtube.com/watch?v=3c58kTCn0kw, Zugriffsdatum: 18.06.2014

(22) Looper, L.: How Generation Z Works, http://people.howstuffworks.com/culture-traditions/generation-gaps/generation-z.htm, Zugriffsdatum: 26.06.2014

(23) Palley, P.: Data point: Gen Z immersed in technology, www.jwtintelligence.com/2012/09/data-point-gen-immersed-technology/#axzz35hG6QwEN, 21.09.2012, Zugriffsdatum: 26.06.2014

 

 

Literatur

  •  Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen. Murmann, Hamburg 2014
  • Kerstin Bund, Uwe Jean Heuser und Anne Kunze: Generation Y: Wollen die auch arbeiten? In: Die Zeit. Nr. 11, 7. März 2013
  • Christian Scholz: Das neue Szenario im Berufsleben. In: Spieler ohne Stammplatzgarantie. Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt. Wiley-VCH, Weinheim 2003, (ursprünglich erschienen in WISU. 10/99; PDF; 114 KB)
  • Eva Windisch und Niclas Medman: Understanding the digital natives. In: Ericsson Business Review. 1/2008, S. 36–39 (217 KB)

Siehe auch

Weblinks

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