Die-Gen eration-Z

Christian Scholz Gedanken und Materialien zur Generation Z



 

Generation Z in Japan: Wie unbedeutende Punkte (Impression Berlinale 2018)

von Christian Scholz am 24. März 2018

Der Regisseur von „Blue Wind Blows“ wollte das wirkliche Leben zeigen: so die Aussage von Tetsuya Tomina bei der Weltpremiere seine Films bei der diesjährigen Berlinale.

Das ist ihm gelungen. Nur: Manchmal zeigen Filme mehr, als es auch den Filmemachern bewusst ist und vielleicht auch deutlich mehr, als ihnen lieb ist.

Im Film ging es um Ao, der mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Kii auf der Insel Sado in Japan lebt. Sein Vater ist vor Kurzem spurlos verschwunden. Die beiden Kinder rennen über die Insel und schreien das Meer an. In der zurückhaltenden Sayoko findet Ao eine Seelenverwandte, mit der er sich gemeinsam weniger allein fühlt. Tetsuya Tomina erzählt mit eindrucksvollen Bildern kindlichen Verlust und ihre heimlichen Träume.

So weit, so gut, aber auch so klar die Kluft zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen. Wunderschöne Bilder einer wunderschönen Insel: wie aus einem Reiseführer.

Das Schöne an der Berlinale sind die Fragen-und-Antwort-Blöcke nach dem Film, wo das Publikum Fragen stellt. Bemerkenswert war die Antwort auf die Frage nach der Lieblingsszene, eigentlich von einem Jugendlichen an die jungen Schauspieler gerichtet. Bevor die beeindruckende Tsubaki Tanaka als Darstellerin von Kii antworten konnte, ergriff der Regisseur das Mikrofon und schwärmte von einer Szene, in der die Mutter eine künstliche Hand anfertigte. Und auch den zweiten Versuch einer Antwort von Hizuki Tanaka (er spielte den Ao) unterbrach der Regisseur bereits im Ansatz und gab eine aufschlussreiche Antwort: In seiner anderen Lieblingsszene zeigte er eine kühle, graue Landschaft, in der die Kinder wie ganz kleine Punkte zu verschwinden drohten.

Als Tsubaki Tanaka dann das Wort bekam, erklärte sie schüchtern wirkend, dass sie jetzt ihre Antwort vergessen habe.

Vielleicht hätte man es wie beim Drehen des Films machen müssen, wo der Regisseur – wie er stolz erklärte – den Kindern jeden einzelnen Satz vorlas und sie ihn dann einfach wiederholten – anders als bei einigen Filmen aus anderen Ländern, die sogar ganz jungen Schauspielern Freiräume gaben.

Am Ende der Fragerunde kam eine weitere interessante Frage (von mir hier aus dem Gedächtnis zitiert): „Danke für die wunderbare Darstellung. Sie war gleichermaßen wunderbar wie schockierend: Erwachsene, die nicht miteinander sprechen, Kinder, die keine Antworten auf ihre Fragen bekommen. Alles sehr gespenstisch. Und deshalb hoffe ich jetzt nur, dass der Regisseur mir bestätigt, dass er seinen Film als bewusste Fundamentalkritik an der aktuellen japanischen Kultur verstanden sehen will.“

Doch Tetsuya Tomina verneinte. Das sei nicht seine Absicht. Er wolle Japan so darstellen, wie es heute ist: Und wie es auch gut ist, dass es so ist.

So gesehen: Danke für die unbeabsichtigte, aber dennoch realistisch- ernüchternde Darstellung der Generation Z in Japan.

 

Christian Scholz, 17. Februar 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.