Die-Gen eration-Z

Christian Scholz Gedanken und Materialien zur Generation Z



 

Umweltbewusstsein bei Gen-Z

von pc am 24. Juni 2014

Dieser Eintrag stammt von Markus Freichel und Jonathan Marx

 

Individuen der Generation Z zeichnen sich in der Gesamtheit durch ein überdurchschnitlich hohes Umweltbewusstsein und Umweltengagement aus. Allerdings trifft dies längst nicht auf alle Vertreter dieser Generation zu. Auffällig ist auch eine überdurschnittlich starke Kluft zwischen Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten innerhalb der jüngeren Bevölkerung.

 

Umweltbewusstsein der Gesamtbevölkerung

20% der deutschen Gesamtbevölkerung betrachtet im Jahre 2010 den Klimaschutz als wichtige politische Aufgabe[1]. Die Unterkategorie Klimawandel, welche man ebenfalls als Indikator für das Umweltbewusstsein sehen kann, werden von 5% der Gesamtbevölkerung als wichtige politische Aufgabe angesehen[2]. Konkret auf die Erwartungen an die Umweltpolitik befragt, geben 62% der Deutschen an, dass die Regierung mehr für den Klimaschutz tun sollte, 32% sagen, dass es richtig sei, wie es derzeit ist und 6% sagen, es solle weniger für den Umweltschutz getan werden[3]. Angesprochen auf internationale Klimakonferenzen sagen 61% der Befragten, Deutschland solle eine Vorreiterrolle bei solchen Verhandlungen einnehmen (29% „sich dem Tempo anderer Länder anpassen“; 10% „weiß nicht“)[4].

Umweltbewusstsein bei Generation Z

Quelle: Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 10/2012

Greenteam Kinder und Jugendliche (JAGs) Quelle: Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 10/2012

Über alle untersuchten Kategorien hinweg zeigt die jüngere Generation ein größeres Interesse an umweltpolitischen Themen als die Gesamtbevölkerung. So werden der Umweltschutz bzw. der Klimawandel von 25% bzw. 9% der 18- bis 29-jährigen Bevölkerung als wichtige politische Aufgabe gesehen (vs. 20% bzw. 5% in der Gesamtbevölkerung (siehe oben))[5]. Darüber hinaus sind im Jahre 2010 66% der 18- bis 29-jährigen der Meinung, dass mehr für den Umweltschutz getan werden sollte, 31% sagen, es ist richtig, wie es zurzeit ist und nur 3% sind der Ansicht, es solle weniger getan werden[6]. Bezogen auf die Rolle Deutschlands bei internationalen Verhandlungen sagen 65% dieser Altersgruppe, dass die Bundesrepublik bei solchen Konferenzen vorangehen sollte und lediglich 22% sagen, dass man sich dem Tempo anderer Länder anpassen sollte[7].

Wenn man als weiteren Indikator das Wahlergebnis der Partei „Bündnis90/ Die Grünen“ bei der Bundestagswahl 2013 herbeizieht, wird diese Beobachtung, dass die jüngere Generation ein gesteigertes Interesse an Umweltthemen zeigt, bestätigt. Während die Partei im amtlichen Endergebnis 8,4% der Stimmen erhielt[8], bekam sie in der Wählergruppe der 18-24 jährigen ca. 11%[9].

Heterogenität der jungen Generation

Obwohl die jüngere Generation, als Einheit betrachtet, ein überproportional großes Interesse an Umweltthemen aufweist, zeigt die Generation, wenn man sie separat betrachtet, eine sehr große interne Heterogenität auf. Einerseits ist bzgl. des Umweltbewusstseins der Typus „Andere Probleme sind wichtiger“ überdurchschnittlich stark innerhalb der jüngeren Generation vertreten, andererseits aber auch die Handlungsdevise „Alle gemeinsam“, welche für eine starke Sensibilisierung für das Thema spricht . Bestätigt wird dieser Befund von dem „Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer“ aus dem Jahre 2012, in dem das Verhalten der 15-24 jährigen deutschen Bevölkerung untersucht wurde. Einerseits werden innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe 38,8% der jüngeren Generation als „nachhaltigkeitsaffin“ eingestuft, andererseits aber auch 22,5% der Befragten als „nachhaltigkeitsabweisend“, welche die Perspektive der Nachhaltigkeit explizit ablehnen .
Die Generation Z ist also keinesfalls als homogene Einheit zu betrachten, welche geschlossen ein gesteigertes Umweltbewusstsein besitzt, sondern eher als eine in sich gespaltene Generation, welche in ihrer Gesamtheit jedoch trotzdem ein insgesamt größeres Interesse an Umweltthemen vorweist, als die restliche Bevölkerung.

Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten bei der Generation Z

Das hohe Umweltbesusstein der Generation Z verspricht zwar eine aktivere Beteiligung an der Lösung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsproblemen (in der Zukunft) durch (politsche) Einstellungen, direktes Engagement, aber auch durch das direkte Umweltverhalten. Es existiert nach wie vor eine große Disparität zwischen der Einstellung und dem tatsächlichen Verhalten bezogen auf Umweltthemen, dieses ist innerhalb der jüngeren Generation besonders stark ausgeprägt. Gründe hierfür könnten darin liegen, dass die jüngere Generation aufgrund des geringeren Einkommens weniger dazu bereit ist höhere Kosten für ein nachhaltigeren Lebensstil in Kauf zu nehmen. Auffällig ist auch, dass junge Erwachsene  nur sehr ungern auf das Autofahren zugunsten der Umwelt verzichten. Pauschalisierend lässt sich die geringe Bereitschaft zu persönlichen Einschränkungen zu Gunsten der Umwelt mit der Maximierung der Lebenslust dieser Generation erklären. Sobald nun aber, in naher Zukunft, die Generation Z verstärkt in die Arbeitswelt eintritt und Verantwortung (auch für sich selbst) übernimmt, wird sehr wahrscheinlich auch ein flächendeckender Wandel im Umweltverhalten zu beobachten sein, da die “ richtigen“ Intentionen bereits vorhanden sind.

Quelle: Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 10/2012

Greenpeace Befragung von 15- 24 Jährigen im Juli 2011 Quelle: Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 10/2012

Einfluss von Web 2.0 auf Umweltbewusstsein

Da die Informationssuche im Internet, gerade bei der jüngeren Generation eher spontan und ungezielt erfolgt, werden die Möglichkeiten, sich über Umweltthemen zu informieren nur spärlich von der Generation wahrgenommen; Zwar besteht ein Interesse an diesen Themen und die Jugendlichen kennen viele Websites, die sie auch als glaubwürdig einschätzen, doch sie greifen ohne kongreten Anlass (öffentlich geführte Debatten) nur selten gezielt auf diese Informationsquellen zurück. Nach Einschätzung dieser Generation der Digital Natives eignen sich soziale Webseiten nur wenig für die Kommunikation von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, da diese andere Zwecke erfüllen sollen. [10]

 

Einzelnachweise

[1] – [7] Umweltbundesamt 2010, S.10ff

[8] Spiegel Online 2013 (1)

[9] Spiegel Online 2013 (2)

[10]Umweltbundesamt 2011, S.55

Literatur

  • Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen. Murmann, Hamburg 2014,
  • Kerstin Bund, Uwe Jean Heuser und Anne Kunze: Generation Y: Wollen die auch arbeiten? In: Die Zeit. Nr. 11, 7. März 2013
  • Christian Scholz: Das neue Szenario im Berufsleben. In: Spieler ohne Stammplatzgarantie. Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt. Wiley-VCH, Weinheim 2003, (ursprünglich erschienen in WISU. 10/99; PDF; 114 KB)
  • Eva Windisch und Niclas Medman: Understanding the digital natives. In: Ericsson Business Review. 1/2008, S. 36–39 (217 KB)

Siehe auch

Weblinks

 

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